Eva Maria Butscher | Psychologie · Medialität · Kunst

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Warum Individuation und Verkörperung für mich ein Königsweg sind.

Für mich bedeutet Individuation, durch viele Etappen und Runden immer tiefer in das eigene Sein hineinzuwachsen. Dabei begegnen wir gemeinsamen seelischen Themen, ohne dass unser Weg deshalb einem vorgegebenen Ablauf folgen muss.

C. G. Jung ist einer der Pioniere, die mich seit langer Zeit inspirieren. Ich habe mich in meinem Leben mit vielen Experten auseinandergesetzt, ebenso mit Heilern und Menschen, die etwas vorangebracht haben. Jung inspiriert mich besonders als Persönlichkeit und durch seine tiefe Auseinandersetzung mit seelischen Prozessen und den unterschiedlichen Etappen des menschlichen Seins.

Auch in meinem eigenen Leben durfte ich tief in solche Prozesse einsteigen – unter anderem durch Begegnungen, die ich als Seelenpartnerschaften erfahren habe.

Beziehungen als Spiegel

Für mich ist dabei klar zu unterscheiden: Geht es in einer Verbindung vor allem um Abhängigkeiten oder alte Themen, die gelöst sein wollen? Oder begegnet mir ein seelischer Spiegelpartner, der dazu beiträgt, mein eigenes Seelenpotenzial tiefer zu erkennen und zu verkörpern?

Entscheidend ist für mich, ob ich freier werde oder in der Abhängigkeit bleibe.

Einen solchen Spiegelprozess erlebe ich als Königsklasse, um die Liebe und die eigene Verkörperung immer tiefer zu integrieren. Und reden wir nicht um den heißen Brei: Dieser Prozess gehört für mich zu den schmerzhaftesten Erfahrungen, die man mit sich selbst durchleben kann. Traumawunden, Ablehnungsthemen und vieles andere können unmittelbar auftauchen.

Man gelangt in tiefe Zustände des Nichtwissens: Wie geht das Leben weiter? Dabei habe ich erfahren, wie viele Dinge und Konstrukte mich in einer Scheinrealität gefangen hielten. Wie tief jemand in einen solchen Prozess einsteigen möchte, bleibt eine individuelle Entscheidung.

Liebe ist Freiheit und Freiheit ist Liebe

Mein Leitspruch war von Kindheit an:

Liebe ist Freiheit und Freiheit ist Liebe.

Das bedeutet für mich nicht, irgendwelche seltsamen Konstrukte auf Beziehungsebene zu führen. Es bedeutet, die innere Freiheit und die innere Liebe immer tiefer zu integrieren. Denn beides bedingt sich wechselseitig.

Je größer die Liebe in mir ist, desto größer wird meine eigene Freiheit. Ich darf wählen, in welchen weltlichen Konstrukten ich leben möchte, ohne darin gefangen zu sein oder aus einem Mangel heraus in Abhängigkeiten zu bleiben.

Auf energetischer Ebene erlebe ich diesen Weg so, dass das ganze Energiesystem heilen und Stabilität gewinnen darf. Mangelthemen dürfen sich aus dem eigenen Feld lösen und ihre bestimmende Kraft verlieren. Das eigene Potenzial, das pure Sein, darf sich ausbreiten. Ich beginne, Wissen zu verkörpern.

Energetik ist gefühltes und gelebtes Wissen

Energetik ist für mich stets gefühltes und gelebtes Wissen in uns. Es ist ein Wissen, das ich nicht allein durch Nachdenken oder das Studieren von Büchern erfahre, sondern durch mein eigenes Erleben.

Auch deshalb nehme ich mein Buch „Freude ist Wandel“ ab 2027 aus dem Verkauf: Es hält bestimmte Entwicklungszustände fest, während mein eigener Weg weitergeht. Mehr darüber erzähle ich in meinem Artikel „Freude ist Wandel – warum ich mein Buch ab 2027 vom Markt nehme“.

So komme ich auch immer mehr davon weg, mit festgelegten Zielen durch das Leben zu gehen. Es gibt Dinge, die meine Seele sich wünscht und die ich mir natürlich auch als Mensch wünsche. Zugleich ist ein tiefes Vertrauen gewachsen, dass ich nicht alles im Voraus festlegen muss.

Gemeinsame Etappen und der eigene Weg

Deswegen empfinde ich es als kontraproduktiv, wenn Manifestation oder eine übermäßige Struktur den eigenen Weg bereits vorgeben sollen. Für mich geht es darum, fühlend wahrzunehmen, was stimmig ist, und offen dafür zu bleiben, wie sich das Leben entfaltet.

Dabei verstehe ich Individuation durchaus als einen seelischen Entwicklungsprozess, in dem wir ähnliche Themen und Etappen durchlaufen können: die Begegnung mit unseren Wunden, das Erkennen von Abhängigkeiten, das Loslassen alter Vorstellungen und das Hineinwachsen in die eigene Liebe und Freiheit. In diesen Erfahrungen können wir uns gegenseitig wiedererkennen.

Doch wir gehen viele, viele Runden. Bewusstsein ist für mich unendlich. Und mit dieser Unendlichkeit öffnen sich auch unendliche Spiralen der Entwicklung. Wir begegnen Themen erneut, erfahren sie auf einer anderen Ebene und verstehen oder verkörpern etwas, das uns zuvor noch nicht zugänglich war.

Wenn jemand sagt: „So hat dein Weg zu verlaufen“ oder „Das ist bei mir passiert, deshalb muss es bei dir genauso geschehen“, wird die eigene Erfahrung zum Maßstab für einen anderen Menschen. Ähnliche seelische Entwicklungen müssen jedoch nicht dieselben Ereignisse, Beziehungen oder Lebensentscheidungen beinhalten. Erfahrungen anderer dürfen inspirieren und Orientierung geben. Der eigene Weg braucht zugleich Raum für sein Tempo, seine Tiefe und seine Form.

Fühlend erfahren, was ich wirklich möchte

In meiner Eins-zu-eins-Arbeit und in meinen Gruppenarbeiten geht es deswegen darum, für sich selbst fühlend zu erfahren, was man als Mensch eigentlich möchte.

Es geht nicht allein darum, zu benennen: Was sind meine Werte? Es geht darum, diese Werte fühlend zu verstehen, sie zu begreifen und jedes Mal neu zu erfahren. Auch darin liegen Veränderung und Entwicklung. Denn wir Menschen sind hier auf der Erde, um uns als Menschen zu entwickeln.

Sicherheit und das eigene Maß

Den Wunsch nach Sicherheit erlebe ich als stark durch gesellschaftliche Strukturen und vorherige Generationen geprägt. Gerade vor dem Hintergrund von Krieg und Verlust ist der Wunsch nach materiellem Besitz für mich nachvollziehbar. Und doch kann Besitz auch einschränken, statt glücklich zu machen.

Die Gegenbewegung muss nicht darin bestehen, gar nichts zu haben. Vielmehr geht es darum, fühlend herauszufinden, was stimmig ist. In jeder Lebensphase darf diese Frage Raum bekommen.

Es ist ein wenig wie im Kleinen Prinzen: mit dem Herzen sehen zu beginnen. Mit dem Herzen fühlend voranzugehen, ohne bereits zu wissen, was auftauchen wird. Sich in den gegenwärtigen Augenblick hineinfallen zu lassen – getragen von dem Vertrauen, dem Leben begegnen zu können, ohne schon alles zu wissen.

Für jemanden, der gerade in Ängsten steht, kann dieser Weg zunächst ganz schön furchterregend sein. Er öffnet sich schrittweise. Und es ist nicht in allen Lebenslagen angebracht, dass alles immer so zu sein hat.

Manches darf sich wandeln. Anderes darf so sein.

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