Eva Maria Butscher | Psychologie · Medialität · Kunst

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Wenn man die Kontrolle loslässt

Aus meinem eigenen Weg heraus weiß ich, wie oft man sich verzweifelt um die eigene Achse drehen kann. Und es wird doch nicht klarer, sondern nur nebeliger.

Erst dann, wenn man eine Situation, eine Person oder etwas anderes loslässt und sich vollkommen hingibt, zeigen sich plötzlich Wege, die davor nicht da waren. Wie oft habe ich erfahren, dass genau das immer wieder der Fall ist.

Auch gerade dann, wenn du auf der Suche bist nach einer Methode, nach einem Lehrer, sei dir bewusst: Auch hier können oftmals alte Muster deiner selbst wirken. Muster, die dich nicht fördern, sondern eher das Gegenteil wachrütteln und genau das bestätigen, was dein innerer Kritiker zu dir sagt.

Loslassen und das eigene Herz spüren

Insofern ist es manchmal gut, eher in die Entspannung zu gehen. Einen Spaziergang durch den Wald zu machen, dein Nervensystem zu beruhigen und Situationen oder Entscheidungen für einige Momente einfach loszulassen. Dein Herz zu spüren.

Auch wenn das nicht immer ganz einfach ist und sich leichter liest, als es manchmal getan ist. Gerade dann, wenn wir uns sehr weit von uns selbst entfernt haben.

Dieser Schritt zurück, diese Perspektive aus unserem Herzraum heraus, kann uns die Möglichkeit geben, zu erfahren: Ist diese Entscheidung oder diese Möglichkeit etwas, das uns auf unserem Weg wirklich nährt? Oder ist es eine weitere Sackgasse, eine weitere Runde durch Gestrüpp und Unterholz?

Nicht jeder Weg, der uns nährt, ist immer einfach und leicht. Aber vielleicht können wir spüren, ob wir auf diesem Weg mit uns selbst verbunden bleiben.

Wo machen wir uns selbst und anderen Druck?

Dieses Beispiel lässt sich auch wunderbar auf Kinder und Jugendliche übertragen. Denn leider haben wir in der Schule gelernt, in Konformität zu gehen, uns anzupassen. Auch wenn Anpassung uns nicht immer dienlich ist. Ganz im Gegenteil: Wir haben uns so sehr angepasst, dass wir verlernt haben, wir selbst zu sein.

Also dürfen wir uns auch immer wieder fragen: Wo machen wir uns selbst Druck? Und wo machen wir jemand anderem Druck?

Gerade dann, wenn du Kinder hast oder mit Kindern und Jugendlichen arbeitest. Gerade auch dann, wenn du in Systemen arbeitest, die stets erwarten und kontrollieren wollen.

So ist es manchmal ganz heilsam und wundersam, sich einfach dem hinzugeben, was an Möglichkeiten im Miteinander entsteht. Anstatt ganz starr und stringent das Ego durchsetzen zu müssen, irgendeinen Lehrplan oder irgendeinen Weg. Oder die Vorstellung, dass etwas genau so und so viel Zeit zu beanspruchen hat.

Wachstum lässt sich nicht erzwingen

Für mich ist Zeit letztlich eine menschliche Illusion. Und dennoch leben wir hier im irdischen Sein mit Zeitplänen, Erwartungen und Fristen. Das gilt es zu akzeptieren, und manchmal ist es recht unangenehm.

Jedoch dürfen wir uns stets daran erinnern, dass sich Wachstum nicht nach unseren Zeitplänen richtet. Man kann Gras nicht schneller wachsen lassen, indem man daran zieht. Genauso wenig lassen sich menschliches Potenzial oder menschliche Entwicklung an den Haaren herbeiziehen.

Umso mehr frage ich mich, wie viel Raum Kinder und Jugendliche an Schulen haben, sich selbst kennenzulernen. Sie lernen jede Menge Dinge. Doch wie viel Raum bleibt dafür, die eigenen Emotionen zu verstehen, Beziehungen zu gestalten und herauszufinden, was ihnen entspricht?

So stehen wir manchmal im späteren Leben da und stellen fest: Ich weiß noch nicht einmal, wie ich mit meinen Emotionen umgehe. Oder mit dieser oder jener Situation. Ich weiß nicht, wie ich eine Liebesbeziehung führe oder wie ich auf eine Weise Geld verdienen kann, die mir wohltut.

All das sind Fragen, die umso mehr aufkommen, je freier man wird von Konstrukten, die einen in die Gefangenschaft führen.

So möchte ich dir heute die Frage mitgeben:

Wie gehst du mit all dem um? Agierst du aus Entspannung oder aus Spannung heraus?

Alles Liebe dir,
Eva Maria

Zum Weiterlesen: Wenn die Vergangenheit im Heute weiterlebt

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